Grundfahraufgaben
Grundfahraufgaben sind die Übungen, die der Prüfer Dir in der praktischen Prüfung stellt: rückwärts um die Ecke, einparken, umkehren, bremsen. Sie werden einzeln bewertet — und Du weißt vorher genau, was verlangt wird. Deshalb sind sie der Teil der Prüfung, der sich am besten üben lässt. Welche und wie viele Aufgaben Du bekommst, legt der Prüfer fest. Ich übe alle mit Dir durch, die für Deine Klasse infrage kommen. Was Dich am Prüfungstag sonst erwartet, steht auf der Seite Prüfungsvorbereitung.
So liest Du die Skizzen
- Rot bist Du, grün sind die anderen.
- Die Nummern zeigen die Reihenfolge. Ein voll gezeichnetes Fahrzeug steht dort, wo ein Zug endet — ein gestrichelter Umriss zeigt, wo Du unterwegs warst.
- Eingezeichnete Vorderräder heißen: hier ist eingeschlagen. Sie stehen nur an den Stellen, an denen wirklich gelenkt wird.
- Alle Längen stimmen. Die Skizzen sind maßstabsgerecht — wenn ein Abstand groß aussieht, ist er auch groß.
Rückwärts um die Ecke
Die Aufgabe, an der die meisten zuerst scheitern — und zwar aus einem Grund, den man von innen kaum sieht.
Fahren nach rechts rückwärts unter Ausnutzung einer Einmündung, Kreuzung oder Einfahrt
Du fährst an der Einmündung vorbei und hältst dahinter dicht am Bordstein. Dann setzt Du langsam zurück und lenkst ruhig und gleichmäßig ein — so viel, dass Du dem Bordstein im gleichen Abstand folgst. Am Ende steht das Auto parallel zum Bordstein in der Einmündung.
Der Fehler passiert vorne, nicht hinten. Beim Rückwärtsfahren mit Rechtseinschlag schwenkt die Front nach links in die Fahrbahn aus — genau dorthin, wo Dir jemand entgegenkommen kann. Wer zu weit vom Bordstein entfernt anfängt, landet nicht auf dem Bordstein, sondern im Gegenverkehr.
Halte deshalb dicht am Rand. Dann bleibt der Bogen eng und die Front dort, wo sie hingehört.
Und lenk ruhig und gleichmäßig. Der Bogen entsteht aus langsamer Fahrt und gleichmäßigen Lenkbewegungen — nicht aus einem Ruck am richtigen Punkt. Wer langsam fährt, hat Zeit nachzukorrigieren.
Was dabei schiefgeht
- Zu weit vom Bordstein gehalten. Der ganze Bogen rückt mit, und die Front schwenkt über die Fahrbahnmitte hinaus.
- Zu früh oder zu stark eingelenkt. Dann kommt das Heck auf den Bordstein — beides steht ausdrücklich im Aufgabentext.
- Am Ende nicht parallel gehalten. Auch das ist Teil der Aufgabe, nicht Kosmetik.
- Nur in die Spiegel geschaut. Beim Rückwärtsfahren gehört der Blick nach hinten — und die ausschwenkende Front musst Du trotzdem im Auge behalten.
Rückwärts in eine Parklücke, längs
Das Parken, das man im Alltag am häufigsten braucht — und das mit der klarsten Merkregel.
Rückwärts fahren nach rechts in eine Parklücke (Längsaufstellung)
Du fährst mit gesetztem Blinker heran und stellst Dich neben das vordere Fahrzeug. Von dort setzt Du mit vollem Rechtseinschlag zurück, bis Du schräg stehst, lenkst gegen und ziehst Dich gerade. Zum Schluss ziehst Du noch ein Stück vor.
Steh richtig, dann macht der Rest sich fast von allein. Fahr so weit vor, dass Dein Außenspiegel etwa auf Höhe der B-Säule des Fahrzeugs steht, hinter dem Du parken willst. Die B-Säule ist der Pfosten zwischen Vorder- und Hintertür.
Dann voll nach rechts einschlagen und zurücksetzen, bis Du schräg stehst. Gegenlenken, geradeziehen — und zum Schluss noch ein Stück vorziehen, damit Du mittig zwischen den beiden Fahrzeugen stehst.
Was dabei schiefgeht
- Falsch hingestellt. Wer zu weit vorn anfängt, landet auch zu weit vorn in der Lücke. Deshalb lohnt sich die Sekunde für den Blick auf die B-Säule.
- Zu früh gegengelenkt. Dann bleibt das Auto schräg stehen und das Heck weit vom Bordstein weg.
- Zu spät gegengelenkt. Dann geht das Heck an den Bordstein.
- Nicht vorgezogen. Das Auto steht dann dicht am hinteren Fahrzeug und weit vom vorderen weg.
Einparken in eine Parklücke, quer oder schräg
Vier Ausführungen: rückwärts und vorwärts, jeweils nach rechts und nach links. Die Richtung ist genau das, was schwerfällt — deshalb steht hier jede einzeln.
Rückwärts einparken
Du fährst die Gasse entlang, hältst neben der freien Bucht und setzt in einem Viertelkreis hinein. Am Ende zeigt die Front zur Fahrgasse.
Rückwärts eingeparkt zeigt die Front zur Fahrgasse. Genau deshalb übt man es: Beim Ausfahren siehst Du den Verkehr kommen, statt blind zurückzusetzen.
Was dabei schiefgeht
- Zu nah an der Buchtenreihe angefangen. Dann wird der Bogen zu eng und Du kommst nicht mehr hinein.
- Zu früh eingelenkt. Das Heck landet auf der Markierung oder am Nachbarfahrzeug.
- Den Bereich hinter dem Auto nicht beobachtet.
- Schief stehen geblieben. Am Ende gehört das Fahrzeug gerade zwischen die Markierungen.
Vorwärts einparken
Hier fährst Du an der gegenüberliegenden Seite der Gasse entlang — je weiter Du von der Lücke weg bist, desto weiter wird der Bogen und desto leichter das Einfahren.
Plane den Korrekturzug von vornherein ein. In einem Zug hineinzutreffen ist schwer — mit einem Zug mehr ist es einfach:
Vorfahren, bis die Front kurz vor der Lücke steht. Voll einlenken und vorwärts, bis Du kurz vor dem Fahrzeug jenseits der Lücke stehst. Dann komplett in die andere Richtung einschlagen, so weit zurücksetzen wie möglich — und geradeaus hinein.
Was dabei schiefgeht
- Zu dicht an der Lücke gefahren. Der Bogen wird eng und Du kommst nur schräg hinein.
- In einem Zug hineinwollen. Der Korrekturzug ist kein Fehler, sondern Teil des Ablaufs.
- Beim Zurücksetzen nicht nach hinten geschaut. Auch der Korrekturzug ist Rückwärtsfahren.
- Vorwärts eingeparkt und dann blind ausgefahren. Wer vorwärts einparkt, muss beim Verlassen der Lücke besonders vorsichtig sein — die Front zeigt zur Wand.
Umkehren
Die einzige Aufgabe, bei der zuerst Deine Entscheidung bewertet wird und erst danach Deine Fahrt.
Umkehren (nach Auswahl einer geeigneten Stelle)
Die Skizze zeigt eine Möglichkeit: eine Einfahrt auf der rechten Seite. Du fährst daran vorbei, hältst, setzt rückwärts hinein und fährst vorwärts in die Gegenrichtung wieder heraus.
Stelle und Methode suchst Du selbst aus. Genau darauf legt die Aufgabe den größten Wert. Eine Einfahrt, ein Parkplatz, eine Einmündung — Hauptsache übersichtlich und ohne andere zu behindern.
Kündige das Anhalten schon vorher mit dem Blinker an, nicht erst wenn Du stehst. Und blink wieder, bevor Du auf die Gegenfahrbahn ziehst.
Was dabei schiefgeht
- Eine unübersichtliche Stelle gewählt — vor einer Kuppe, in einer Kurve, an einer Einfahrt, die Du nicht einsehen kannst.
- Auf eine Anweisung gewartet. Die Auswahl ist Deine Aufgabe, das steht so im Aufgabentext.
- Nicht geblinkt — weder beim Anhalten noch beim Losfahren in die Gegenrichtung.
- Den Gegenverkehr übersehen, weil beim Herausfahren die ganze Fahrbahn gequert wird.
Abbremsen mit höchstmöglicher Verzögerung
Die kürzeste Aufgabe — und die einzige, bei der Du etwas nicht tun musst.
Gefahrbremsung aus etwa 30 km/h
Ich kündige die Aufgabe an, Du fährst Tempo 30, und auf mein Kommando bremst Du bis zum Stillstand. Danach fährst Du wieder an.
Voll heißt voll. Die Bremse wird bis zum Anschlag durchgetreten und gehalten, bis das Auto steht — nicht antippen, nicht wieder lösen.
Den Blick in den Rückspiegel brauchst Du hier ausnahmsweise nicht. Dass niemand hinter Dir gefährdet wird, ist meine Aufgabe, und das steht ausdrücklich so im Aufgabentext. Beim Wiederanfahren gilt dann wieder das Übliche: blinken, schauen, losfahren.
Was dabei schiefgeht
- Zu zaghaft gebremst. Die Aufgabe heißt „höchstmögliche Verzögerung" — eine normale Bremsung reicht nicht.
- Vor dem Stillstand gelöst. Das Auto muss stehen.
- Zu langsam angefahren. Unter Tempo 30 lässt sich die Aufgabe nicht bewerten.
- Beim Wiederanfahren nicht geblinkt.
Alles davon üben wir vorher durch — so oft, bis es sitzt. Und wenn Dir eine Aufgabe besonders im Magen liegt, sag es einfach. Dann nehmen wir sie uns extra vor.
Die kursiv gesetzten Aufgabentexte sind die amtlichen Formulierungen aus dem Prüfungsstoff. Alles andere auf dieser Seite ist meine Erfahrung aus dem Unterricht.
